Markierte Vögel bitte melden

Klar erkennbar sollen sie sein: bunte, möglichst große individuelle Markierungen an Vögeln.

Waren es in früherer Zeit in der Mehrzahl kleine silberne mit einer Nummer der Vogelwarte versehene Ringe am Bein des Vogels, fallen seit geraumer Zeit vermehrt Markierungen auf, die große Ziffern-Buchstabenkombinationen enthalten und oft bunt sind. Die klassischen kleinen Beinringe sind nur bei Wiederfang oder nach Todfund des Vogels lesbar, während die auffälligen Markierungen, die immer zusätzlich zu den klassischen Metallringen angebracht werden, das Ziel haben im Idealfall die Identifikation des lebenden Vogels direkt in der Natur zu ermöglichen. Es sind mittlerweile unterschiedliche Markierungsarten üblich: (farbiger) Ring bzw. Ringkombinationen mit großen Buchstaben / Ziffern, farbige Hals-Manschetten, ebenfalls mit Ziffern-Buchstabenkombinationen, Schnabelring. Bei großen Vögeln kommen auch individuelle Ausbleichungen von Federn vor (diese Methode wird u.a. auch für die bei uns in den Alpen ausgewilderten Bartgeier verwendet). Allen diesen Markierungsmethoden gemein ist, dass sie bereits im Feld durch reines Beobachten ablesbar sind. Die Beringsungsprojekte in Europa sind untereinander über Euring (Europäische Union für Vogelberingung, https://euring.org/) koordiniert und verwenden spezifische Markierungsmethoden, Farb- und Ziffern/Buchstabenkombinationen.

Die Ziele dieser Beringungsprojekte können sehr vielfältig sein: angefangen bei den klassischen Fragen zum Vogelzug, über Aussagen zu Bestandsdynamiken, bis hin zur Durchführung von Verhaltensstudien an individuell unterscheidbaren Vögeln.

Weitere interessante Informationen über die Ziele von Beringungsprojekten sind in der Euring-Broschüre nachlesbar: https://euring.org/files/documents/brochure2007/EURING_brochure_german_2011.pdf

Einen spannenden Einblick über die Aufenthaltsorte der verschiedenen Zugvögel über den Jahresverlauf hinweg bietet der „Eurasian African Bird Migration Atlas“ (https://migrationatlas.org)

Was können wir tun

Die Meldung von Markierungsbeobachtungen hilft einerseits unmittelbar, diese Projekte zu unterstützen und zum anderen stellen die zurückgesendeten Informationen über den Vogel auch dem Beobachter interessante Erkenntnisse bereit. Anlaufstelle für die Meldung von Ringfunden ist die Seite von Euring: https://www.ring.ac ; bei Farbmarkierungen empfiehlt es sich, direkt das entsprechende Beringungsprojekt ausfindig zu machen und den Projektleiter zu kontaktieren. Die Seite European colour-ring Birding (https://cr-birding.org) unterstützt hierbei. Als Informationen sollte man folgendes per Email mitgeben: Vogelart, Ringnummer, -form und -farbe, Ort (ggf. mit Koordinatenangabe), Datum/Uhrzeit, Beobachter (Name inkl. Adresse, Email) und sonstiges Erwähnenswertes (z.B. Belegfotos, Verhalten etc.). Meistens antwortet der Projektleiter recht zügig mit weiteren Angaben zum beringten Vogel. Sie können Meldungen aus der Region gerne auch an die OAG-Chiemsee (info@oag-chiemsee.de) weitergeben. Wir wollen versuchen, diese Beobachtungen dann gesammelt im Jahresbericht bereitzustellen.

Ausgewählte Beobachtungen in der Region

Lachmöwe:
30.10.2022, Chiemsee Südufer/Autobahnrastplatz, Ring FN 53.302, Beobachter: Florian Marchner
Beringung: 14.05.2012 bei Oświęcim / Südpolen als adulter, dort brütender Vogel. Der Wiederfund ist ca. 10,5 jahre später und befindet sich ca. 550km südwestlich vom Beringungsort.

Reiherente, ♀:
15.08. – 12.11.2022, Irschener Winkel, gelbe Schnabelring-Markierung 2L, Beobachter: u.a. Max Kurzmann, Lennart Mak, Niko Mandl;
Beringung: noch keine Informationen vorhanden

Raubseeschwalbe, diesjährig:
29.08.2022, Simssee, rote Fussring-Markierung YC84, Beobachter: Franz Fischer (weitere Info https://www.oag-chiemsee.de/raubseeschwalbe-mit-huckepack-sender/ )

Graugänse:
04.12.2021 – 07.01.2022, Irschener Winkel, Übersee, Hirschauer Bucht, mehrere Ind. mit roter Halsmanschette, Beobachter: Max Kurzmann, Marc Kurzmann; wurden tlw. kurze Zeit später in der Regentalaue beobachtet, dann zur Brutzeit in Tschechien und danach im Spreewaldraum.
Beringung: zwischen 2016 und 2021 in West-Böhmen;

Blässhuhn, ♀:
28.12.2021, Chiemsee Westufer, farbiger Halsring Y97, Beobachter: Max Kurzmann;
Beringung: 12.05.2021 bei Łódź, Polen; hielt sich bis mind. 21.08. am Beringungsort auf

Das Glück der Tapferen – gemeinsame Exkursion der OAG von Highlight gekrönt

Die Wettervorhersage für den 2. Oktober 2022 verhieß schon seit Tagen nichts Hoffnungsvolles: Dauerregen bei ca. 12 Grad. Dementsprechend waren wir gedanklich schon auf einen kurzen Rundum-Check an der Prienmündung mit anschließend verlängerter Einkehr eingestellt.

Doch dann kam es anders: nachdem der Vormittag noch vollkommen durchnässt war, setzte nach einem letzten Regenschauer kurz vor 14 Uhr eine unverhoffte Trockenpause ein.

So versammelte sich pünktlich am Parkplatz an der Prienmündung eine Gruppe von gut 15 unerschrockenen Ornitholog*Innen um das aktuelle Vogelgeschehen am Aiterbacher Winkel auszukundschaften. Nach zahlreichen virtuellen Stammtischrunden während der Coronazeiten war es die erste Veranstaltung, bei der wir wieder physisch real zusammen kamen. Dementsprechend gab es von Anbeginn einen regen Erlebnis- und Diskussions-Austausch zwischen den Teilnehmern auf dem Weg zur Prienspitze.

An der Prienmündung: Spektive in Position; © Marc Kurzmann, 02.10.2022

Schon kurz nach Ankunft an der Informationshütte und ersten Sichtungen der hier üblicherweise rastenden Vogelarten wie Graugänse, Zwerg-, Schwarzhals-, Haubentaucher, Gänsesäger, Spieß-, Pfeif-, Krick-, Schnatter-, Stock-, Reiher-, Tafelenten etc., wurde das Augenmerk auf die anwesenden Möwen gerichtet. Als Sensation entpuppte sich dann die Entdeckung einer kleineren, auf dem Wasser ruhenden Möwe durch Tina Bleifuss, die nach kurzer Diskussion als diesjährige Schwalbenmöwe bestätigt wurde. Nach kurzer Zeit erhob sich die Möwe in die Luft und man konnte auch hier deutlich die typischen Art-Merkmale erkennen: das kontrastreiche Oberflügelmuster und der eingekerbte „Schwalben“-Schwanz. Eine Pause auf dem Badefloß – zusammen mit zahlreichen Lachmöwen – bot den Beobachter*Innen auch nochmal beste Gelegenheit den Vogel aus der Nähe zu betrachten und gute Belegfotos zu machen.

Nach eineinhalb Stunden intensiver Beobachtungen und Austausch ging der Regen wieder los, was ein passender Anlass zum Ortswechsel in das Cafe Toni am anderen Ende der Bucht war, um bei Kaffee und Kuchen die vogelkundlichen Diskussionen fortzuführen.

Das abschließende Résumé aller Teilnehmer*Innen: eine tolle Veranstaltung, bei der alles gepasst hat: ornithologische Highlights, Wetterglück und spannender Informationsfluss – gerne mal wieder!


Interessantes zur Schwalbenmöwe:

Die Schwalbenmöwe ist etwas kleiner als die Lachmöwe und ein hocharktischer Brutvogel, der den Winter vor der westafrikanischen Küste verbringt. Ausserhalb der Brutzeit findet man sie nur ausnahmsweise im Binnenland. So gibt es lediglich alle paar Jahre in Bayern Sichtungen einzelner Individuen, meist Ende September / Anfang Oktober.

Am Chiemsee wurde sie in den Jahren 1997 (1-2 diesj.), 2001 (2. KJ), 2002 (2. KJ), 2004 ( 2. KJ), 2015 (ad., Juli-Okt.) und eben dieses Exemplar 2022 (1 diesj.) gesichtet (Quellen: Lohmann/Rudolph: „Die Vogelwelt des Chiemseegebietes“ und ornitho.de). Am Bodensee wurde zwei Wochen vorher ebenfalls eine diesjährige Schwalbenmöwe beobachtet – möglichweise das gleiche Exemplar?

Beobachtungsliste (Zählungen Niko Mandl, Max Kurzmann u.a.):

  • 1 Graureiher(Ardea cinerea)
  • 2 Silberreiher (Casmerodius albus)
  • ~320 Graugänse (Anser anser)
  • 14 Schnatterenten (Mareca strepera)
  • 14 Pfeifenten (Mareca penelope)
  • 43 Krickenten (Anas crecca)
  • 2 Spießenten (Anas acuta)
  • 1 Löffelente (Spatula clypeata)
  • ~600 Tafelenten (Aythya ferina)
  • ~1800 Reiherenten (Aythya fuligula)
  • 6 Schellenten (Bucephala clangula)
  • ~30 Gänsesäger (Mergus merganser)
  • 6 Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis)
  • ≥8 Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis)
  • 25 Kormorane (Phalacrocorax carbo)
  • 1 Rohrweihe (Circus aeruginosus)
  • 1 Mäusebussard (Buteo buteo)
  • 3 Teichhühner (Gallinula chloropus)
  • ~2550 Blässhühner (Fulica atra)
  • 1 Alpenstrandläufer (Calidris alpina)
  • 1 Schwalbenmöwe (Xema sabini)
  • 3 Mittelmeermöwen (Larus michahellis)
  • x Lachmöwen (Larus ridibundus)
  • 1 Eisvogel (Alcedo atthis)
  • x Zilpzalpe (Phylloscopus collybita)
  • 2 Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus)
  • ≥3 Wiesenpieper (Anthus pratensis)

Raubseeschwalbe mit Huckepack-Sender

Junge Raubseeschwalbe mit Sender, Simssee; © Franz Fischer, 29.08.2022

Der Spätsommer ist in vollem Gange und die ersten Zugvögel aus dem Norden erreichen Mitteleuropa. Neben den Limikolen gehören auch Seeschwalben dazu. In den letzten Tagen sind von der bei uns raren Raubseeschwalbe verstärkt Sichtungen zu verzeichnen. Franz Fischer gelang am 29.08.2022 am Simssee eine besondere Beobachtung: eine jungen Raubseeschwalbe, die einen Sender huckepack – quasi als Rucksack – mit sich trug. Franz konnte von dem Vogel, der sich in einer 6er-Gruppe mit anderen Raubseeschwalben aufhielt, exzellente Foto-Aufnahmen aus nächster Nähe machen, sodass sogar die Ringnummer abgelesen werden konnte. Eine Meldung bei den Beringern und die prompte Antwort zeigt, dass der Vogel vor 80 Tagen (10.06.2022) an der Ostseeküste Östergötlands in Schweden als Nestling beringt/besendert wurde.

Foto: © Franz Fischer, 29.08.2022

Raubseeschwalben sind bei uns gelegentlich noch bis Ende September zu sehen. Am häufigsten an der Hirschauer Bucht / Mündung der Tiroler Achen und am Irschener Winkel. Das Überwinterungsgebiet befindet sich im Mittelmeerraum und an der Westküste Afrikas.

Örtliches Vorkommen der Raubseeschwalbe auf dem Durchzug im Chiemseegebiet

Der neue Jahresbericht 2021 ist fertig

Quasi frisch aus der „Druckpresse“ kommt der neue ornithologische Jahresbericht 2021 für den Chiemgau. Max Kurzmann hat sich dieses Mal wieder ziemlich ins Zeug gelegt und auf 59 Seiten das ornithologische Geschehen in der Region festgehalten. Der Dank gilt darüber hinaus allen Ornithologen, die so eifrig Anregungen, Daten und Informationen geliefert, sowie auch den Fotografen, die bereitwillig das hervorragende Bildmaterial gestellt haben.

Viel Vergnügen beim Schmökern!

Stammtisch OAG-Chiemsee vom 07.02.2022

Ein spannendes Programm mit zwei Vorträgen hat auch den vergangenen Online-Stammtisch eine rege Teilnahme von knapp 40 Interessenten und Interessentinnen beschert. Der erste Vortrag von Michael Schmolz vom LfU führte durch die laufenden Brutvogel-Monitoring-Programme des DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten). Neben den etablierten Programmen “Monitoring häufiger Brutvögel” und dem “Monitoring Alpenvogel” gibt es das “Monitoring seltener Brutvögel”, welches sich in zahlreiche Einzelprogramme aufgliedert, auf die Michael Schmolz näher eingegangen ist und die auch für unsere Gegend relevant sind:

  • Koloniebrüter: Uferschwalbe, Graureiher, Möwe/Seeschwalbe und Saatkrähe 
  • Spechte
  • Binnengewässerarten
  • Röhrichtbrüter
  • Wachtelkönig
  • Wiesenlimikolen
  • Rebhuhn

Zu all diesen Programmen gibt es spezielle Ornitho-Module mit Hilfe derer die Daten via Ornitho oder Naturalist komfortabel eingetragen werden können. Die Teilnahme an den Programmen ist mit verhältnismäßig geringem Aufwand verbunden: je nach Programm eine ein bis dreimalige Begehung zur Brutsaison nach festgelegtem Schema. Bei Interesse oder weiteren Fragen, bitte direkt mit Michael Schmolz vom LfU Bayern  (Michael.Schmolz@lfu.bayern.de, Tel. 08821 94301-27) in Verbindung setzen. Er koordiniert die Programme und sorgt dafür, dass auch das entsprechend Ornitho-Modul freigeschaltet wird. Zum Abschluss noch der Appell, speziell auf die “Gebirgsarten” wie Mauerläufer, Uhu, Wanderfalke und Felsenschwalbe im Chiemgau zu achten, deren Verbreitungs-Wissen nach wie vor größere Lücken enthält.

Im zweiten Vortrag des Abends stellte Christoph Bücker vom NABU Renningen die von ihm entwickelte Nistpate-App vor. Diese App ist schon vielfach bei NABU- und LBV-Gruppen im Einsatz und erleichtert das Management von angebrachten Nistkästen immens. Dazu gehört das Festhalten, wo welche Nistkästen aufgehängt wurden, in welchem Zustand sie sich befinden, welche Beobachtungen am Nistkästen gemacht wurden (z.B. Tierart, Bruterfolg, besondere Ereignisse, Störungen etc.) und auch Pläne zur Reinigung der Nistkästen. Über eine nachgelagerte Auswertung lassen sich damit auch Erfolgsquoten und weitergehende “wissenschaftliche” Analysen und Statistiken erstellen. Der Einsatz der App ist grundsätzlich kostenlos, solange man sich hier in kleineren Gruppen mit bis zu zehn Benutzern pro Projekt bewegt. Da die App nicht über den Google Play Store angeboten wird, sollten sich Personen/Gruppen, die diese App nutzen wollen, bitte an Christoph Bücker (appnatur@gmail.com) wenden, der dann das Grundsetup für ein Projekt freischaltet. 

Zum Ausklang des Stammtischs mit reger Diskussion zeigte uns noch Johannes Almer in aller Kürze sein spannendes “Bastel-” Projekt mit einem brandfrischen Prototypen, der quasi autonom Vogelstimmen aufnimmt, und gleich analysieren und bestimmen kann. Die Bestimmungsquote ist zwar noch nicht perfekt, kann aber schon durchaus bemerkenswerte Erfolge vorweisen. Das System zieht seine Energie aus einem Photovoltaik-Modul und beherbergt in einem wasserdichten Gehäuse einen Minicomputer. 

Die Vogelstimmen-Analyse-Software basiert auf dem BirdNET-Projekt des Cornell Lab of Ornithology und der TU Chemnitz, aus dem auch die gleichnamige Smartphone-App entstammt. Wir hoffen auf einen ersten Erfahrungsbericht an einem der nächsten Stammtische.

Stammtisch OAG-Chiemsee vom 29.11.2021

Vogelzugmonitoring, Highlights, Diskussionen

Wieder einmal waren an die 30 Teilnehmer am Online-Stammtisch der OAG-Chiemsee dabei um sich über die interessanten Aktivitäten und ornithologischen Ereignisse des Chiemseegebietes zu informieren und auszutauschen.

Schwerpunkt des Abends war das Vogelzugmonitoring, ein spannendes Thema, das vielerorts ein Nischendasein fristet – so auch in unserer Region. Um uns der Thematik leichter anzunähern, konnten wir den Spezialisten Markus Faas dazu gewinnen aus seinem grossen Erfahrungsschatz zu berichten. Er führt die planmäßige Zugvogelbeobachtung bereits seit etlichen Jahren jeden Herbst am Hirschberg bei Pähl, südlich des Ammersees durch. Der Aufwand ist groß, was bedeutet, dass er zwischen September und November im Durchschnitt mehrmals pro Woche von Sonnenaufgang bis ungefähr zur Mittagszeit vor Ort beim Zählen ist. Doch die Mühen lohnen sich:

in Summe hat er bislang an die 5 Mio Vögel gezählt – im aktuellen Jahr 2021 waren es 760.000 – eine ganz ordentliche Ausbeute. Das Hauptgeschehen konzentriert sich auf maximal 10 „Massenzugtage“ mit mehr als 10.000 Individuen, die großteils. im Zeitraum zwischen 2.10. und 20.10. durchziehen.

Die großen Vogelmengen teilen sich auf wenige Arten auf. Ganz vorne liegt die Ringeltaube, die in Summe mit um die 500.000 Vögeln durchzieht, gefolgt von Buchfink, Erlenzeisig, Bergfink, Rauch-/Mehlschwalben, Wiesenpieper und Feld-/Heidelerchen. Nach Markus’ Einschätzung bewegen sich diese Vögel weitgehend in einer “Breitfront” von Nord nach Süd, ohne sich sonderlich an großräumige geologische Leitlinien zu orientieren.

Zahlenmäßig in weit geringerer Zahl – aber nicht weniger aufregend sind die Greifvogel-Beobachtungen (u.a. auch Merlin, Baum-/Rotfußfalke, Fischadler sowie spektakulär: Schelladler und Steppenweihe); und auch die ein oder andere spektakuläre Art ergibt sich quasi „nebenbei“: Rotkehlpieper, Sporn-, Schneeammer, Ortolan, Ohrenlerche, Ringdrosseln (nordische Art, ssp. Torquatus) , Mornellregenpfeifer sowie in größerer Höhe durchziehende Prachttaucher – hintereinander, aufgezogen wie an einer Schnur.

Nach kurzer Diskussionsrunde berichteten die lokalen Ornis Max Kurzmann und Niko Mandl über die Vogelzugmonitoring-Tätigkeiten in der Region. 

Auf der Suche nach geeigneten Standorten hat Max in diesem Herbst zwei Punkte ausgekundschaftet: Hittenkirchen/Kothöd südlich von Prien und das Söllhubener Feld – eine Anhöhe südlich zwischen Chiemsee und Simssee. Viermal wurde Kothöd besucht – das Resultat war spannend, allerdings bei weit geringerer Individuenzahl, möglicherweise aber auch den Terminen geschuldet – und zweimal wurde am Söllhubener Feld beobachtet. Ergebnis: neben den zu erwartenden Ringeltauben und Buchfinken, im drei- bis unterem vierstelligen Bereich, bereicherten Rotkehlpieper, Fischadler, Steinadler und überfliegende Raubseeschwalben die Beobachtungen.

Niko Mandl wiederum hat sich auf der anderen Seite des Sees einen Spot ausgesucht: den Linnersberg bei Chieming, der einen weiten Rundumblick in alle Richtungen erlaubt. Zusammen mit Aurelia Grein, Niko Thum und Max Kurzmann hat das Beobachtungsteam am 09.10. einen außerordentlich guten Zugtag erwischt mit ca. 26.000 Ringeltauben, über 7000 Buchfinken etc.. Insgesamt wurden an diesem Tag 35921 Vögel festgestellt. Diese Zahlen können sich – auch im Vergleich zum Hirschberg – schon sehr gut sehen lassen und motivieren zu weiteren Beobachungsreihen in den kommenden Jahren.

Anschließend gab es noch einen knappen Überblick der ornithologischen Besonderheiten des (noch nicht abgeschlossenen) 2. Halbjahres 2021 von Marc Kurzmann: u.a. Lach-/Brandseeschwalben, Spatel-/Schmarotzerraubmöwen, übersommernde Eis-/Prachttaucher, Gänse-/Bartgeier – sowie einen Überblick des regionalen Kranichdurchzugs.

Ausgiebige Diskussionen, sowie Anregungen und Appelle von Dirk Alfermann und Bernd-Ulrich Rudolph zur Schlafplatzzählung von Kornweihen und Kormoranen schlossen den informativen Abend ab.

Falls die Situation es zulässt, planen wir eine OAG-Exkursion am Chiemsee zwischen Weihnachten und Hl. Drei Könige. Näheres hierzu wird kurzfristig über die bekannten Kanäle mitgeteilt. Der nächste Stammtisch wird voraussichtlich Ende Januar/Anfang Februar mit einer Vorstellung der verschiedenen ornithologischen Monitoring-Programme stattfinden. Eine gesonderte Einladung hierzu wird noch folgen.

Chiemgauer Ornis schnuppern in Vogelzug

von Max Kurzmann

Der Vogelzug übt seit jeher eine besondere Motivation auf viele Beobachter aus, auch von uns Chiemgauer Ornis sind einige nicht unverschont davon geblieben. Ein Schlüsselerlebnis in meinem Fall war ein Beobachtungsgang an den Irschener Winkel im Oktober letzten Jahres als nach mehreren von Regenschauern geprägten Vortagen und -nächten in nur einer Viertelstunde über tausend Kleinvögel am Chiemseeuferweg über meinen Kopf zogen. Von diesem Ereignis völlig überrascht, war ich damals nur ansatzweise in der Lage die Größenklasse einzuschätzen. Das Potential systematischer Vogelzugbeobachtungen erahnend hatte ich mir deshalb vorgenommen das Zuggeschehen in diesem Jahr etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Es traf sich dabei ideal, dass unter den Teilnehmern des ersten Orni-Stammtischs der OAG Chiemgau auch Markus Faas dabei war, selbst ein langjährig erfahrener Zugplanbeobachter. Er bot sich an, Interessierten der OAG eine praktische Einführung in die Zugbeobachtung zu geben, was entsprechend auf sehr offene Ohren fiel.

Kurzum organisierten wir – Niko Mandl und ich – Anfang Oktober ein Treffen mit Markus an dessen Stammbeobachtungsplatz, dem Hirschberg, einer Seitenmoräne südöstlich des Ammersees. Das frühe Aufstehen um zu Sonnenaufgang dort zu sein, hatte sich gelohnt: Neben einem lehrreichen Einblick in Rahmenbedingungen und Vorgehen bei Zugplanbeobachtung waren besonders beeindruckend auch 2 Fischadler, die uns jeweils direkt über Kopf überflogen. Am Ende des Vormittags waren über 25.000 Vögel an uns vorbeigezogen, vor allem Buchfinken und Ringeltauben – und das war, wie Markus uns versichern konnte noch kein Spitzentag!

Bei der Vogelzugbeobachtungen wird man häufig auch mit grandiosen Ausblicken belohnt – so wie hier am Hirschberg, ©Max Kurzmann

Angespornt durch dieses Erlebnis haben wir selbst im Oktober nun eine handvoll Mal an drei verschiedenen Standorten – dem Linnersberg bei Chieming, der Anhöhe bei Hittenkirchen sowie dem Söllhubner Feld südlich des Simssees – uns an der Zugplanbeobachtung versucht. Beim nächsten Orni-Stammtisch der OAG Chiemsee werden wir erzählen wie es uns dabei ergangen ist!

Aufruf: Ehrenamtliche (Freiwillige) Unterstützung bei Wally & Bavaria gesucht!

Folgenden Aufruf des LBV wollen auch wir hiermit unterstützen:

Liebe LBV Community,

Wally & Bavaria sind ausgeflogen und ziehen mittlerweile sogar gemeinsam ihre Kurven rund um die Halsalm. Was für ein fantastischer Anblick und ein noch fantastischeres Erlebnis, die beiden so zu erleben! Doch die Betreuung hört ab dem Zeitpunkt des Ausflugs für LBV und Nationalpark natürlich nicht auf. Für uns geht die schwierige Phase des Monitorings der beiden Bartgeierdamen jetzt erst richtig los, denn so einfach wie in der ersten Zeit sind sie nicht mehr zu beobachten.

Wir suchen daher ab sofort tatkräftige freiwillige Unterstützer*innen bei Wally & Bavaria!

Folgendes solltet ihr idealerweise mitbringen:

  • die Fähigkeit, längere Zeit zu sitzen und die Beobachtungen exakt zu dokumentieren
  • früh aufzustehen bzw. ggf. auch mal bis abends oben zu bleiben
  • ungemütliche Wetterbedingungen zu überstehen
  • den Weg zum Beobachtungsstand bzw. zur Halsgrube problemlos zu bewältigen (300 Höhenmeter, ca. 40 min bei normalem Tempo)
  • mindestens drei Tage am Stück Zeit im Zeitraum von jetzt bis (vmtl.) Anfang September

Eine Unterkunft können wir leider nicht stellen, es gibt allerdings eine Vielzahl von Pensionen und Bauernhöfen in der Ramsau, wo man recht günstig auch jetzt in der Hauptsaison noch ein Zimmer kriegen könnte. Eine Vergütung kann nicht gezahlt werden, stattdessen eine Aufwandsentschädigung im Rahmen der Ehrenamtspauschale.

Vielleicht kennt ihr ja auch jemanden, der oder die daran Interesse hätte. Deshalb darf das Ganze gerne auch geteilt werden.

Danke und viele Grüße!

David

bartgeier@lbv.de